Rituale für dein Beziehungsglück

Diesen Beitrag schreibe ich inmitten in der dritten Corona-Welle. Seit einem Jahr steht das öffentliche Leben mehr oder weniger still. Viele von uns arbeiten das erste Mal regelmäßig vom Home-Office aus. Viele von uns betreuen erstmals regelmäßig die Kinder zuhause und werden plötzlich zur Lehrkraft. Es ist eine Ausnahmesituation. Und für viele eine emotionale Extremsituation. Stress, Druck und Streits bis hin zu Gewalt sind das traurige Ergebnis der Pandemie.

Doch gibt es auch Paare, die mit der zusätzlichen Belastung, den neuen Ängsten und der erzwungenen Nähe gut umgehen können. Zum Teil habe ich den Eindruck, dass die Krise sie eher zusammenbringt. Was also machen sie anders? Ein wiederkehrender Punkt sind Rituale, die der Pandemie zum Trotz weitergepflegt werden, die wiederentdeckt wurden oder die neu erfunden wurden.

Was ist ein Ritual?

Rituale sind Handlungen, die wir immer wieder tun. Die eingebundenen Menschen folgenden dabei Regeln, die allen bekannt sind. Rituale finden in einem förmlichen Rahmen statt. Und wozu das Ganze? Rituale schweißen zusammen! Sie sind Ausdruck der Kultur der Gruppe. Jeder in der Gruppe kennt die Abläufe, weiß wo sein/ihr Platz ist. Und Rituale geben den Teilnehmern die Möglichkeit, sich zu beweisen. Wer ein hohes Risiko eingeht oder viel Aufwand investiert, signalisiert der Gruppe: „Ihr seid es mir wert“ und „Ich bin gut für euch“.

Was hat das alles mit Partnerschaften zu tun?

In Partnerschaften bilden sich mit der Zeit ebenfalls Rituale. Einige haben die Partner von ihren Familien, vorherigen Beziehungen oder aus dem Fernsehen übernommen. Andere bilden sich durch das Zusammenspiel der beiden Partner: Vielleicht schrieb sie ihm ganz beiläufig einen Post-It und er freute sich so sehr darüber, dass es zukünftig ihr „Ding“ wurde und er zukünftig jeden Morgen ein Post-It am Kühlschrank findet.

An dem Post-It-Beispiel ist gut zu erkennen, dass es ein gewisser Aufwand ist, täglich eine Nachricht zu verfassen. Wahrscheinlich hängt das Beziehungsglück nicht an dem einen morgentlichen Post-It. Aber die Partnerin drückt mit dem Ritual aus, dass sie bereit ist, in die Beziehung zu investieren.

Muss es denn gleich ein Ritual sein?

Rituale sind nicht nötig, um eine gelungene Partnerschaft zu führen. Einige Menschen mögen auch einfach keine Routine und würden sich deshalb sehr quälen, wenn sie einem Ritual regelmäßig folgen müssten. Für diese Paare gibt es auch so viele andere Wege, Verbindung und Paaridentität zu finden.

Für viele Paare sind Rituale eine gute Möglichkeit, über lange Zeiträume eine erfüllte Beziehung zu führen. Denn Rituale machen das Paarleben einfacher: Die klare Absprache erleichtert den Alltag. Manchmal ist es zwar gar nicht nötig, die Regeln genau zu besprechen; manche Rituale entstehen einfach so. Die Regeln des Rituals zu kennen gibt Sicherheit und schafft Vertrauen in der Beziehung. Durch die Wiederholung üben beide die Situation immer wieder und werden so vertrauter miteinander und die gemeinsame Aktivität wird immer leichter. Viele Paare berichten von einer Art Oase im Alltag, wenn sie ihrem Ritual nachgehen.

Rituale zur Inspiration

Geschichten vorlesen

Einige Paare lesen sich Abends vor dem Schlafen eine Geschichte vor. Wenn ihr beide gerne vorliest, könnt ihr täglich die Rolle des Vorlesers wechseln. Oder es liest jeweils einer von euch eine ganze Geschichte und ihr wechselt dann. Vielleicht hört aber auch ein Partner lieber zu und der andere liest gerne immer? Auch die Aufteilung ist natürlich möglich! Was genau ihr lest, ist eurem Geschmack überlassen. Seid nur nicht traurig, wenn der Zuhörer einschläft – das gehört dazu.

Date Night

Viele Paare nutzen dieses Ritual. Und es wird auch von Paartherapeuten immer wieder empfohlen: Der Paarabend. Reserviert einen Abend in der Woche als festen Termin für eine gemeinsame Aktivität. Der Termin ist sollte so ernst wie ein wichtiger Geschäftstermin genommen werden. Ihr solltet euch auf euch konzentrieren können, so dass ihr Kinder und Haustiere gerne in helfende Hände geben dürft.

Was genau ihr zu dem Termin macht, ist ganz neu überlassen. Ohne Pandemie könntet ihr ins Kino, Restaurant, den Biergarten oder den Szene-Hot-Spot in eurer Stadt gehen. Auch ein Tanzkurs könnte gut funktionieren. Achtet nur bei allen Aktivitäten darauf, dass ihr noch genug Zeit für euch habt. Geht beispielsweise nicht direkt vom Kino nach Hause, sondern kommt anschließend bei Cocktails ins Gespräch. Nicht nur zur Corona-Krise bieten sich übrigens auch Outdoor-Aktivitäten wie Wanderungen oder Spaziergänge im Park an.

Aber auch zuhause könnt ihr es euch gut gehen lassen: Wie wäre es mit einem Spieleabend oder einem schönen Indoor-Picknick mit Kerzen? Gerade jetzt zur Corona-Pandemie bringt das eine schöne Abwechslung in euren Alltag. Und vielleicht ergibt sich so auch noch direkt mehr?

4 Minuten Augenkontakt

Habt ihr das Gefühl, euch ein bisschen aus den Augen verloren zu haben? Dann versucht euch einmal wöchentlich in einem sehr intensiven Augenkontakt. Stellt zwei Stühle voreinander, setzt euch und schaut euch ohne Unterbrechung vier Minuten in die Augen. Stellt dazu einen Timer vorab. Viele Paare berichten, dass sie sich an der Übung verbundener fühlen. Vielleicht ist es ja auch etwas für euch?

Jetzt seid ihr dran

Die Beispiele dienen der Inspiration und sollen zeigen: Es ist so vieles möglich. Meist praktizieren Paare mehrere Rituale. Sprich das Thema doch bei deinem Partner bzw. deiner Partnerin an. Wählt ein, zwei Rituale aus, die ihr mal ausprobieren wollt. Seid ihr beide neugierig darauf, probiert ihr es aus! Direkt nach dem ersten Versuch aufzugeben, ist meist verfrüht und führt zu Frustration. Probiert das Ritual also einige Male aus, bevor ihr etwas ändert oder es komplett streicht.

Ein Tipp noch: Häufig finden sich in der Verliebtheitsphase Ansätze für Rituale, die im Laufe der Beziehung verloren gegangen sind. Diese wieder zu finden, kann etwas wunderbares sein! Hier lohnt es sich, wenn ihr eure ersten gemeinsamen Schritte betrachtet und nach Mustern sucht.

Wenn es alleine nicht klappt

Vielleicht fällt es euch schwer, ein Ritual zu etablieren oder Ideen für Rituale zu finden. Der Alltag mag zu schwer sein oder die Konflikte zwischen euch zu groß. Meldet euch gerne bei mir und wir erarbeiten gemeinsam erste Schritte, die sich für euch stimmig anfühlen. Klick

Epilog

Im Homeoffice teilen wir uns plötzlich den Arbeitsplatz mit unserer Partnerin oder unserem Partner. Einige Paare verlieren dadurch die Lust, nach Feierabend ihren Ritualen nachzugehen, die sie teilweise seit Jahren gepflegt haben. Hier kann ich euch nur den Ratschlag geben: Bleibt am Ball! Setzt euch zusammen und überlebt, welche Veränderungen die Pandemie für euch gebracht hat. Sind Rituale der neuen Situation zum Opfer gefallen? Dann führt sie wieder ein. Gerade nach so einer langen Zeit in der Krise, könnten dies eure neuen Energie-Quellen werden.

Tiefer einsteigen

Erfahre mehr über dieses Thema in den folgenden Artikeln. Ich freue mich auch immer über Feedback: Zu welchem Thema möchtest du gerne mehr erfahren?

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